Trinidad und Tobago


Trinidad und Tobago
Trị|ni|dad und To|ba|go; - - -s:
Inselstaat vor der Nordküste Südamerikas.

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Trinidạd und Tobago,
 
 
 
Fläche: 5 128 km2
 
Einwohner: (2000) 1,3 Mio.
 
Hauptstadt: Port of Spain
 
Amtssprache: Englisch
 
 
Währung: 1 Trinidad-und-Tobago-Dollar (TT$) = 100 Cents (cts)
 
Zeitzone: 700 Port of Spain = 1200 MEZ
 
amtlich englisch Republic of Trinidad and Tobago [rɪ'pʌblɪk əv 'trɪnɪdæd ənd tə'beɪgəʊ], ostkarib. Inselstaat vor der Nordostküste Südamerikas, zwischen 10º 2' und 11º 20' nördliche Breite sowie 60º 32' und 61º 56' westliche Länge, umfasst die zu den Westindischen Inseln gehörenden Inseln Trinidad und Tobago. Fläche: 5 128 km2, (2000) 1,3 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Port of Spain (auf Trinidad), Amtssprache Englisch. Währung: 1 Trinidad-und-Tobago-Dollar (TT$) = 100 Cents (cts). Zeitzone: Atlantikzeit (700 Port of Spain = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung von 1976 ist T. und T. eine präsidiale Republik Staatsoberhaupt ist der von einem Wahlkollegium (Vertreter beider Kammern des Parlaments) auf fünf Jahre gewählte Präsident. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, bestehend aus Senat (31 ernannte Mitglieder) und Repräsentantenhaus (36 für fünf Jahre gewählte Abgeordnete, darunter zwei aus Tobago), die Exekutive bei der Regierung unter Vorsitz des Premierministers (vom Präsidenten ernannt).
 
Parteien:
 
Am einflussreichsten sind der People's National Movement (PNM; gegründet 1955, gemäßigte Linkspartei, starke Basis in der schwarzen Bevölkerung), der United National Congress (UNC; gegründet 1989, linksgerichtet, vertritt v. a. den indischen Bevölkerungsteil) und die National Alliance for Reconstruction (NAR; gegründet 1983, ein aus drei Parteien bestehendes Bündnis).
 
 
In dem durch einen silbernen Sparren geteilten Schild stehen in der oberen Hälfte zwei Kolibris (sie repräsentieren die beiden Inseln), in der unteren Hälfte drei Karavellen aus der Zeit des C. Kolumbus; im Oberwappen über der Helmzier ein Schiffssteuerrad und eine Palme. Als Schildhalter dienen ein Scharlachibis und ein Cocrico (beide kommen nur auf T. und T. vor). Schild und Schildhalter stehen auf einer Darstellung der Inseln, den unteren Abschluss bildet ein Schriftband mit dem Wahlspruch »Together we aspire, together we achieve« (»Gemeinsam streben wir, gemeinsam haben wir Erfolg«).
 
Nationalfeiertage:
 
31. 8., der an die Erlangung der Unabhängigkeit 1962 erinnert.
 
 
Trinidad gliedert sich in drei Städte mit Selbstverwaltungsrecht und acht Verwaltungsbezirke. Tobago hat seit 1987 volle innere Autonomie und verfügt über ein eigenes Regionalparlament (15 Abgeordnete, für vier Jahre gewählt).
 
 
Die Rechtsprechung folgt englischem Vorbild. Der Gerichtsaufbau ist dreistufig (Oberster Gerichtshof, Berufungsgericht, Magistratsgerichte); letzte Berufungsinstanz ist der Privy Council in London. Ein Ombudsmann ist für Bürgerbeschwerden zuständig.
 
 
Die Gesamtstärke der Freiwilligenarmee beträgt etwa 2 800, die der paramilitärischen Polizeikräfte rd. 4 800 Mann. Die Heerestruppen (2 100 Soldaten) sind nur mit leichten Waffen ausgestattet. Die 700 Mann umfassende Marine (»Coast Guard«) verfügt über etwa 20 Küstenwachboote.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Die 15 km vor der venezolanischen Küste (Orinokodelta) liegende Insel Trinidad (4 828 km2) wird von drei West-Ost-verlaufenden Gebirgsketten (Fortsetzung der venezolanischen Küstenkordillere) durchquert; die nördliche kristalline Gebirgskette erreicht im Mount Aripo 940 m über dem Meeresspiegel. In der mittleren und der südlichen Kette aus kreidezeitlichen Sedimenten werden 300 m über dem Meeresspiegel kaum überschritten. Das nördliche Längstal des Caroni-Flusses entwässert westwärts in die alluvialen Caroni-Sümpfe. Das südliche Längtal ist eine zerschnittene Tafelebene. Im Südwesten Trinidads liegt der Asphaltsee Pitch Lake (La Brea). Die 35 km nordnordöstlich von Trinidad gelegene Insel Tobago (300 km2) ist aus einem einzigen, 25 km langen Gebirgszug aufgebaut, der bis 576 m über dem Meeresspiegel ansteigt und sich nach Südwesten zu einer Korallenkalkebene abdacht.
 
 
Die Inseln haben tropisches Klima mit noch geringeren jahreszeitlichen Temperaturschwankungen als auf den anderen Westindischen Inseln (24 ºC mittlere Januar-, 26 ºC mittlere Septembertemperatur) und liegen im Einfluss des Nordostpassats. Die jährlichen Niederschlagsmengen variieren zwischen 2 500 mm an der Ost- und maximal 1 600 mm an der Westküste; Regenzeit Juli bis Dezember.
 
 
Immergrüner Regenwald bedeckt v. a. die Gebirge von Trinidad; im Regenschatten der Gebirge und im Westen der Insel finden sich regengrüner Feucht- und Trockenwald sowie Savannen. Tobago ist zur Hälfte von Regenwald bedeckt.
 
 
Die ursprüngliche indianische Bevölkerung (Aruak) ist ausgestorben (1800 noch 2 000 Bewohner). Tobago ist von Schwarzen besiedelt wie andere Westindische Inseln, auf denen im 18. Jahrhundert eine auf Sklavenarbeit gestützte Plantagenwirtschaft entwickelt wurde. Trinidad (heute mit 96 % der Gesamtbevölkerung) weist dagegen eine ausgeprägte ethnische Vielfalt auf. Eingeleitet wurde die Entwicklung durch französische Flüchtlinge, die mit ihren Sklaven auf die Insel kamen, um Kaffee- und Zuckerrohrplantagen anzulegen. Nach ihrer Befreiung (1834) ließen sich die ehemaligen Sklaven als Kleinbauern im Waldland nieder. 1846-1916 wanderten 140 000 Inder ein (blieben zu 75 %), 1851-1963 insgesamt 222 000 Personen (außer Indern v. a. Schwarze von den Antillen). Das Verhältnis von Indern und Schwarzen ist von Spannungen geprägt. 1990 waren 40,3 % indischstämmig beziehungsweise 39,6 % der Bevölkerung schwarz. Die Inder sind in der westlichen Küstenebene konzentriert, in der Zuckerrohranbau und bäuerliches Ackerland, das Züge indischer Kulturlandschaft trägt, vorherrscht. Nur 0,6 % der Bevölkerung sind europäischer Herkunft, 0,4 % Chinesen, 0,1 % Libanesen und 18,4 % Mischlinge. Die Geburtenrate beträgt (1995) 20,0 ‰, die Sterberate 6,0 ‰; etwa 32 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre. Größte Städte sind Port of Spain (1995: 45 300 Einwohner, Agglomeration rd. 500 000 Einwohner), San Fernando (55 800 Einwohner), Arima (24 900 Einwohner), Point Fortin (20 100 Einwohner) auf Trinidad; Hauptort auf Tobago ist Scarborough. Neben Englisch werden in geringem Umfang auch ein französischer Patois, Spanisch sowie Chinesisch und Hindi gesprochen.
 
 
Die Religionsfreiheit ist durch die Verfassung garantiert. Über 58 % der Bevölkerung sind Christen: rd. 30,4 % gehören der katholischen Kirche (Erzbistum Port of Spain) an, rd. 11,8 % der anglikanischen Kirche (Provinz Westindien), über 16 % protestantischen Kirchen (Presbyterianer, Adventisten, Pfingstler, »Church of God [Cleveland]«, Baptisten, »Church of the Nazarene«, Brüdergemeine u. a.). - Rd. 60 % der Bevölkerung indischer Abstammung bekennen sich zum Hinduismus, rd. 15 % zum Islam. Unter der schwarzen Bevölkerung gibt es Anhänger der politisch-religiösen Bewegung der Rastafaris. - Kleine religiöse Minderheiten bilden die Zeugen Jehovas und die Bahais.
 
 
Das Schulsystem weist britisch-karibische Organisationsstruktur mit relativ hohem Bildungsniveau auf. Schulpflicht besteht vom 6. bis 12. Lebensjahr, Primarschule (sieben Jahre) und weiterführende Schulen sind gebührenfrei. Neben staatliche gibt es auch Privatschulen. Die Analphabetenquote ist unerheblich (2,2 %). Auf Trinidad (Sankt Augustine) befindet sich die ingenieurwissenschaftliche Fakultät (gegründet 1948) der University of the West Indies (Kingston, Jamaika).
 
 
Tageszeitungen sind: »Trinidad and Tobago Express« (Auflage 55 000), »Trinidad Guardian« (53 000) und die 1993 gegründete »Newsday«. Neben dem staatlichen »National Broadcasting Service« (NBS) senden die kommerziellen Gesellschaften »Prime Radio Ltd.« und »Trinidad Broadcasting Co. Ltd.« Hörfunkprogramme. Fernsehprogramme veranstalten die staatliche (kommerziell betriebene) »Trinidad and Tobago Television Co. Ltd.« sowie »CNN TV 6«.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Wirtschaftliche Grundlage ist die Förderung und Weiterverarbeitung von Erdöl und Erdgas. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1996) 3 870 US-$ ist T. und T. eines der reichsten Länder der Karibik. Die Inflationsrate lag 1985-95 bei jährlich 8,3 %, die Auslandsverschuldung bei (1995) 2,56 Mrd. US-$. Die hohe Arbeitslosenquote von (1996) 16,1 % wirkt sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus.
 
 
Der Agrarsektor erwirtschaftet (1995) 2,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und beschäftigt 10,6 % der Erwerbstätigen. Da die Landwirtschaft v. a. für den Export produziert (Zucker, Zitrusfrüchte, Kakao, Reis u. a.), müssen große Mengen an Nahrungsmitteln importiert werden.
 
 
Der industrielle Sektor (einschließlich Bergbau), in dem (1995) 25,6 % der Erwerbstätigen beschäftigt sind, trägt 47,1 % zum BIP bei; allein die Erdölindustrie 28,3 %. Die Hauptfördergebiete liegen im Golf von Paria, im südöstlichen Küstenschelf sowie im Süden Trinidads. Die Erdölraffinerien befinden sich in Pointe-à-Pierre und Point Fortin. Umfangreiche Erdgasvorkommen bilden die Grundlage für eine sich entwickelnde petrochemische Industrie und die Energiebasis für das Eisen- und Stahlwerk in Point Lisas. Im Asphaltsee Pitch Lake befindet sich das größte natürliche Asphaltvorkommen der Erde. Der geförderte Asphalt wird zu 50 % exportiert. Zentren der Nahrungsmittel-, Stahl- und chemischen Industrie sind die Hauptstadt Port of Spain, Point Lisas und Point Fortin.
 
 
Er konzentriert sich v. a. auf die Insel Tobago und den Karneval in Port of Spain. Die Mehrheit der jährlich rd. 200 000 ausländischen Besucher kommt aus den USA, Kanada und den Staaten der EG.
 
 
Die Außenhandelsbilanz ist seit 1975 fast durchweg positiv (Einfuhrwert 1994: 1,04 Mrd. US-$; Ausfuhrwert: 1,78 Mrd. US-$). Rohöl und Erdölprodukte sind mit einem Exportanteil von (1996) fast 50 % wichtigste Ausfuhrgüter. Daneben sind noch Chemikalien, Eisen und Stahl, Nahrungs- und Genussmittel sowie Baumaterialien bedeutsam. Wichtigste Handelspartner sind die USA, EG-Staaten (v. a. Großbritannien und Deutschland), Kanada, Japan, Venezuela und Länder der Karibischen Gemeinschaft.
 
Verkehr:
 
Das Straßennetz (rd. 8 000 km) ist auf Trinidad gut ausgebaut, auf Tobago wenig entwickelt. Das Eisenbahnnetz ist seit 1968 stillgelegt. Trinidad liegt im Schnittpunkt wichtiger Schifffahrts- und Flugverkehrslinien. Größte Seehäfen sind Port of Spain, Point Lisas, Point Fortin. Der internationale Flughafen Piarco liegt 25 km östlich von Port of Spain.
 
 
Kolumbus entdeckte beide Inseln auf seiner dritten Reise (1498). 1552 begann Spanien, Trinidad zu kolonisieren, doch erst seit etwa 1700 legten spanische Siedler mithilfe von afrikanischen Sklaven Plantagen (v. a. Kakaoplantagen) an, die sich jedoch nicht halten konnten. 1783 öffnete Spanien die Insel fremden Kolonisten. 1797 eroberten die Briten Trinidad, das sie 1802 im Frieden von Amiens zugesprochen erhielten. Tobago war, bis es 1814 endgültig Großbritannien überlassen wurde, häufig zwischen Briten, Franzosen und Niederländern umkämpft. Beide Kolonien wurden 1888 zu einer Kronkolonie vereinigt. 1958-62 gehörten T. und T. der Westindischen Föderation an. Am 31. 8. 1962 wurden die Inseln als parlamentarische Monarchie im Commonwealth of Nations unabhängig. 1976 gab sich der Inselstaat eine republikanische Verfassung; Premierminister wurde der seit 1956 als Regierungschef amtierende Eric Eustace Williams (* 1911, ✝ 1981; PNM). 1986 stellte erstmals das oppositionelle Parteienbündnis NAR die Regierung, unter der Tobago die seit langem angestrebte volle innere Selbstverwaltung erhielt (1987). 1990 wurde der Staat durch einen Putschversuch militanter Muslime schwer erschüttert. Die Wahlen 1991 gewann erneut der PNM (Premierminister Patrick Manning, * 1946). Durch die Wahlen 1995 und 2000 stellt der UNC die Regierung, mit dem UNC-Vorsitzenden Basdeo Panday (* 1933) wurde ab 1995 erstmals ein Vertreter der indischen Bevölkerungsgruppe Premierminister.
 
 
H. Blume: Die Westind. Inseln (21973);
 J.-C. Giacottino: T.-et-T. Étude géographique, 3 Bde. (Lille 1977);
 
The natural resources of T. and T., hg. v. S. G. C. Cooper u. a. (London 1981);
 S. Vertovec: Hindu Trinidad. Religion, ethnicity and socio-economic change (London 1992);
 M. Anthony: Historical dictionary of T. and T. (Lanham, Md., 1997).

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Trị|ni|dad und To|ba|go; - - -s: Staat im Karibischen Meer.

Universal-Lexikon. 2012.

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